Wann ist ein Buch ein gutes Buch? Und warum überhaupt?

Wer hier jetzt das Geheimrezept für einen Bestseller erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Ich habe es noch nicht gefunden, allerdings habe ich danach auch nicht sprichwörtlich gesucht . Allmählich kommt mir ohnehin der Verdacht, dass es das nicht geben kann. Denn, wenn ich über die Antworten nachdenke, die ich bekam, wenn ich Usern von Wattpad die Frage stellte, wann für sie ein Buch ein gutes Buch ist, kann ich nur diese Schlussfolgerung ziehen.

Wie man sich denken kann, fielen die Antworten sehr unterschiedlich aus. Doch in einem waren sich so gut wie alle User einig, der Rang auf der Bestsellerliste ist letztendlich kein entscheidendes Kriterium für ihre persönliche Wertung.

Viele erwarten von einem guten Buch, dass es Gefühle transportiert, dass sie mit den Protagonisten mitfiebern, leiden und lachen können. Andere legen stattdessen Wert auf eine ausgefeilte Spannungskurve, wiederum anderen ist ein spannender Anfang sehr wichtig. Manche erwarten von einem guten Roman, dass er sie fesselt und sie ihn nicht mehr aus der Hand legen können, dass es ihnen leid tut, die erschaffene Welt zu verlassen. Die nächsten wollen von unvorhergesehene Wendungen immer wieder überrascht werden. Manche wünschen sich von einem guten Buch, dass es in ihnen nachhallt. Einzelnen sind Cover und Klappentext ebenso wichtig, wie der Inhalt. Einige User benötigen das gewisse Etwas, um ein Buch als gut zu bezeichnen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es um den Schreibstil des Autors geht oder um die herausragende Plotidee. Für andere sind mehrere Handlungsstränge für ein gutes Buch Voraussetzung oder das Einsetzen des allseits bekannten Kopfkinos. Die Nächsten benötigen es, sich mit der Hauptfigur identifizieren zu können oder ein Happy End, um eine Geschichte besonders gelungen zu finden.

Ich persönlich mache das Gefallen eines Romans daran fest, ob ich das Buch immer wieder lesen möchte, ich jedes Mal aufs Neue lachen und weinen kann, ob das Geschriebene mich zum Nachdenken anregt oder beeindruckt.

Jeder von uns hat also eine andere Erwartungshaltung, legt andere Maßstäbe bei einem Buch an, um ihm das Siegel „Gut“ zu verpassen.

Aber bleiben unsere Erwartungen und Maßstäbe auf Dauer die selben? Oder ändern sie sich mit jedem gelesenen Buch, mit jedem Jahr das vergeht, mit jedem Erlebnis, das wir in unserem Leben sammeln? Würde ich ein Buch auch nach Jahren immer noch gleich gut oder schlecht bewerten? Hab ich ein bestimmtes Buch vielleicht nicht ausgerechnet deswegen toll gefunden, weil es das erste von dieser Art war, das ich gelesen habe, obwohl es bereits andere Werke gab, von deren Existenz ich damals nichts ahnte? Würde ich ein von mir schlecht bewertetes Buch, besser befinden, wenn ich es zu einem anderen Zeitpunkt gelesen hätte?

 

Es gibt also sogar bei mir selbst viele Komponenten, die meine Ansprüche beeinflussen. Es kann also gar kein Rezept für das ultimative Buch geben, das alle Leser zur gleichen Zeit zufriedenstellen kann. Und bei genauer Betrachtung ist das eine ganz wundervolle Tatsache. Denn ansonsten würden wir alle das gleiche Buch lesen und hätten womöglich gar kein Interesse daran, eine neue Geschichte zu entdecken, die uns in die nächste Welt entführt.

Im Grunde ist die Tatsache, dass es kein Geheimrezept für ein gutes Buch gibt, die beste Nachricht von allen für uns Schriftsteller.