Letztes Kapitel von "Unter den drei Monden"

Hier nun für alle Fans der Monde-Saga als kleiner Leckerbissen und Verbindungsglied das letzte Kapitel des ersten Bandes, das bisher nur in der Selfpublisher-Urversion "Unter den drei Monden von Aret" veröffentlicht wurde.

 

ACHTUNG!

SPOILERALARM FÜR JENE, DIE DEN ERSTEN BAND NOCH NICHT KENNEN. Ihr solltet Euch dieses Kapitel wirklich erst gönnen, nachdem Ihr den ersten Teil durchgelesen habt.

 

Und ja, ich weiß, *Muahaha* mal wieder ein gemeines Ende. Aber bald könnt Ihr weiterlesen. Am 25. August ist der zweite Teil "Im Schatten der drei Monde" endlich erhältlich.



Kapitel 36 Rache und Zorn

 

 Ormi hörte sie feiern und lachen. Die Nutas und die Unaru hielten ein Festgelage ab, um den Frieden und ihre neue Verbindung zu feiern.

Es war ein Hohn für seine Ohren, denn heute war sein Sohn Assgrim gestorben, sein Erstgeborener. Wie ein Held sei er von ihnen gegangen, hatte Cnut verlauten lassen. Ja, Assgrim hatte ihnen allen das Leben gerettet. Der Tod seines Sohnes hatte zu Kadlins letztem Versuch geführt, Thorir von der Schlacht abzubringen. Noch war er nicht in der Lage, Cnut ohne Wut gegenüberzutreten. Auch Bram nahm er noch immer übel, dass er Kori nicht vor dem Unfall im Wald der Stille hatte bewahren können. Und doch war da auch sein Gewissen, welches ihm sagte, dass Assgrim unbedingt zu Thorir gehen wollte, dass sein Sohn stur gewesen war und wortwörtlich sein Leben geben wollte, um den Nutas zu überzeugen, der ihn erbarmungslos hingerichtet hatte. Genauso wenig konnte er abstreiten, dass auf Koris Wunsch hin, dieser das Rudam-Lager besuchte und Teil von Brams Gruppe wurde, denn sein Jüngster wusste sehr genau, dass Bram der beste Lehrmeister war.

Dennoch war es für Ormi viel einfacher, anderen die Schuld zu geben und sie zu hassen, als sich selbst. Thorir und Hadd würde er allerdings nie vergeben, schwor er sich. Thorir würde er auf verschlungenen Wegen schaden, denn er hatte keinen Sohn, den er töten könnte. Der Nutas-Häuptling hatte nur Kadlin, die angeblich seine verschollene Tochter war, die letztendlich den Frieden herbeigeführt hatte und damit auch einen Teil seines Volkes vor dem Tod bewahrte. Deswegen und weil sie Kori gerettet hatte, würde er keine Hand an sie legen.

Abgesehen davon, war es nicht sinnvoll, sich mit dem stärksten Clan anzulegen, der durch die Verbindung mit den Unaru noch an Kampfkraft gewonnen hatte. Wenn Kori nicht so jung wäre, hätte er Thorir zum Kampf gefordert, aber die Gefahr, dabei zu sterben und den Stamm ohne Anführer zu lassen, wollte er nicht. Ein anderer Otulp würde seinen Platz als Häuptling einnehmen und Kori womöglich nicht wieder an die Macht lassen wollen. Nein, er würde eine Weise finden müssen, um Thorir zu schaden, ohne dass der Verdacht auf ihn oder seinen Stamm fiel.

 Um Hadd bräuchte er sich nicht wirklich zu kümmern, dieser würde von der Clangemeinschaft bestraft werden und er betete dafür, dass der Ikol im Martertod seines eigenen Stammes jämmerlich verrecken würde. Vielleicht würde man Hadd durch den Blutadler sterben lassen? Es würde ihm eine Freude sein, dabei zuzusehen, wie sie ihm den Rücken bei lebendigem Leibe aufschneiden würden, um ihm dann die Rippen abzutrennen und sie dann nach außen zu klappen, damit sie wie die blutigen Schwingen eines Adlers aussehen würden. Ja, das wäre die gerechte Strafe für diesen elenden Wurm.

 

***

 

Der alte Smar-Häuptling pirschte lautlos durch die Nacht. Trotz seines Alters bewegte Eyvind sich geschmeidig. Die weichen Sohlen seiner Stiefel verursachten kein Geräusch auf dem pinken Gras. Eyvinds Zorn hatte mit jeder Stunde, die vergangen war, zugenommen.

Er hasste Cnut, er hasste Bram, aber am meisten hasste er Thorir. Er hatte ihm in Aussicht gestellt, seinen alten Feind, die Unaru, zur Strecke zu bringen. Doch dann hatte er sich plötzlich gegen ihn gerichtet, ihn bloß gestellt und entehrt, indem er sich mit ihnen verbündete. Durch Thorir hatte der Stamm der Smar jegliche Möglichkeit verloren, Vergeltung an den Unaru zu üben, für all die Toten, die es noch zu rächen galt. Niemals würde er den Tod seines Sohnes Skard ungesühnt lassen. Er würde andere Pfade finden, sich an Cnut zu rächen.

Thorir hatte es sogar fertiggebracht, einen Keil zwischen ihn und Ragnar zu treiben. Sie hatten sich heftig gestritten, weil Ragnar wollte, dass sie zum Fest gingen, das die Nutas und die Unaru abhielten. Das Gesindel feierte die erfolgreiche Vrede-Verhandlung und die Vereinigung ihrer Stämme durch Bram und Kadlin, die jetzt Ysra hieß. Ragnar wollte an der Verlobungsfeier seiner Schwester und Bram teilnehmen. Aber er hatte ihm erklärt, dass er keine Schwester mehr habe. Er hatte von Ragnar verlangt, dass er zum Stamm der Svart fliegen sollte, um nachzuforschen, ob es stimmte, was Thorir bei der Vrede-Verhandlung erzählt hatte. Ragnar war nicht davon abzubringen gewesen, erst nach den Feierlichkeiten auf die Reise zu gehen.

Wenigstens hatte dieses Saufgelage ein Vorteil: Alle waren betrunken und unaufmerksam. Keiner würde ein Gedanken an die Gefangenen verschwenden wollen. Thorir würde sicherlich nur wenige Wachen für Hadd aufgestellt haben, da keiner der Krieger das Fest verpassen wollte. Es würde wesentlich leichter sein, unbemerkt durch die Rückwand ins Zelt zu gelangen. 

Schon von Weitem erspähte Eyvind das äußerste Zelt der Nutas, um das drei Wachen platziert waren. Genau wie er vermutet hatte, konnten nur dort Hadd und Gyrd untergebracht sein. Bei einer Flucht der Gefangenen, könnten die Wachen nämlich diese eher mit einem Pfeil zur Strecke bringen, als mitten im Gedränge des Festes. Aus diesem Grund hatte Thorir die Ikol dort unterbringen lassen, was auch seine Wahl gewesen wäre. Mit einem simplen Ablenkungsmanöver würde er eine Wache weglocken.

Auf dem Bauch robbte sich Eyvind durch die Finsternis auf das Zelt zu. Es war pures Glück, dass sich in Reichweite ein kleiner Tümpel befand, um den ein Hain von Sträuchern wuchs. Mit Schwung warf der Smar einen der Kieselsteine, die er extra für diesen Zweck bei sich führte. Raschelnd landete dieser im Unterholz. Eyvind beobachtete, wie die Wache den Kopf schief legte, um zu lauschen. Das zweite Steinchen folgte, prompt wurde der Wächter misstrauisch und folgte dem Geräusch. 

Hastig und dennoch auf Stille bedacht, überwand Eyvind den Rest des Weges, indessen der Wächter auf der Suche nach dem Ursprung des Lärms war. Ohne Probleme konnte der Smar sich unter den Öltüchern hindurchrollen, ins Innere des Zeltes, wo die Ikol saßen. Sie waren Rücken an Rücken gefesselt und geknebelt.

Verwundert sah Hadd, wie der Smar-Häuptling ihm ein Zeichen zum Schweigen gab. Mit einem kleinen Messer schnitt der Alte seine Fesseln durch. 

In Gebärdensprache zeigte Eyvind dem bärtigen Ikol, wo die drei Wachen um das Zelt standen. Hadd nickte, und noch während Gyrd sich seiner Fesseln entledigte, packte er dessen Kopf und drehte ihm in einem herzlosen Ruck um, so dass dessen Genick brach. Vorsichtig ließ er den Toten zu Boden sinken.

Eyvinds Augen weiteten sich in Furcht, denn ohne Skrupel hatte Hadd seinen besten Freund umgebracht. 

Langsam kam Hadd auf Eyvind zu und blickte ihm ungerührt in die Augen. Der Smar glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen, denn allmählich verzog sich Hadds Mund zu einem grausamen Lächeln.

 


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