5. Tür von Ewa A.'s Adventskalender

Hohoho und herzlich willkommen heute öffnet sich das 5. Türchen und bringt Euch den 3. von 12 Teilen einer romantischen Geschichte, die Ihr ebenso in "Schicksalsnetz - Ein romantischer Episodenroman" finden könnt. Sie ist dort eine von vier Liebesgeschichten, die eng miteinander verflochten sind. Doch jetzt wünsche ich Euch viel Spaß mit Christinas und Garretts Geschichte.

„Doch wirklich, Riri, es sah aus, als hätte er gelbe Augen. Ich schwöre es dir. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Farbe seiner Iris extrem hellbraun ist und im Licht der Flammen eben golden wirkte.“ 

Christina saß mit ihrer älteren Schwester in deren Küche und frühstückte mit ihr. Seit sie denken konnte, nannte sie ihre Schwester Riri, weil sie als Kind ihren Vornamen nicht korrekt hatte aussprechen können.  Diese hatte ziemlich blöde aus ihrem teuren, französischen Nachthemd geschaut, als sie um halb vier Uhr morgens vor ihrer Wohnungstür gestanden hatte. Nach dem Brand hatte man die davon Betroffenen nicht mehr in ihre Wohnung zurückgelassen, weswegen sie mit einem Taxi, das Riri ihr dann auch noch hatte bezahlen müssen, zu ihr gefahren war.

Ein Wachmann hatte den Bewohnern mitgeteilt, dass sie ihre Wohnungen vorerst nicht mehr betreten dürften. Zuerst müsste ausgeschlossen werden, dass das Feuer sich durch einen Schwelbrand im Luftschacht neu entfachen könnte. Abgesehen davon würde man nach der Brandursache ermitteln und nur, wenn feststand, dass das Haus nicht zusammenstürzen würde, dürften sie wieder einen Fuß in das Haus setzen. Das bedeutete für Christina im Klartext, dass sie mehrere Wochen bei ihrer Schwester wohnen musste, was aber kein Problem darstellte. Denn Riri war ein gefragtes Model, das von einer Modenschau zu nächsten düste und wenn es keine Modenschau gab, fand irgendwo eine Fotosession statt. Da sie die meiste Zeit sowieso nicht Zuhause war, würden sie sich auch nicht in die Quere kommen.

Christina rechnete nicht mehr damit, irgendetwas Brauchbares in ihrem Apartment zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die wenigen Sachen, die sie besaß, dem Feuer zum Opfer gefallen waren, war leider sehr groß. Ihre einzige Hoffnung bestand darin, dass die Versicherung den entstandenen Schaden übernehmen würde. Wenn nicht, naja, Riri und ihre Eltern würden ihr bestimmt unter die Arme greifen.

Im Krankenhaus hatte Christina bereits angerufen und für zwei Tage frei bekommen. Sie musste sich nun erstmal Kleider, Schuhe und andere notwendigen Dinge besorgen. Riri hätte ihr zwar gerne Klamotten geliehen, aber diese waren zu groß. Ihre Schwester überragte sie um eine gute Kopflänge. Hosen und Röcke müsste sie bis unter die Achseln ziehen, um darin laufen zu können. Aus diesem Grund hatten sie beide den Tag schon mit Shoppen verplant.

Riri, die Christina gegenübersaß, schnitt sich einen Apfel klein, während ihre jüngere Schwester herzhaft in ein Marmeladenbrötchen biss. Interessiert blickte sie zu ihre hinüber. „Und dieser Mann mit den gelben Augen hat dich den ganzen Weg, vom dritten Stock bis nach unten auf die Straße, getragen?“

„Mhm, ja“, schmatzte Christina mit unschuldigen Blick, weil sie Riri etwas verschwiegen hatte, was ihr selbst am Morgen danach noch immer schrecklich peinlich war.

„Wow! Also, ich meine, du bist ja nicht schwer, aber drei Etagen? Alle Achtung, der muss ja recht gut gebaut sein. Hm, warum bist du eigentlich nicht selbst gelaufen?“

Bedröppelt schluckte Christina ihren Bissen runter.  Oh nein, da war sie die Frage, die alles ans Licht bringen würde.

„Naja, ich … “

„Was?“ Riri hielt inne, bevor sie sich ihren Apfelschnitz in den Mund steckte.

„Ich hatte tief und fest geschlafen und am Abend einen Horrorfilm angeschaut. Und dann stand da urplötzlich, mitten in der Nacht, ein Mann mit Maske und einer Axt in meiner Wohnung. Demnach ist es also kein Wunder, dass ich seltsam reagiert habe.“ 

Der Ton von Christinas Verteidigung wurde zunehmend angriffslustiger, während Riris Augen schier die Größe von Untertassen annahmen.

„Christina, was hast du getan?“

Ihrem Essen plötzlich mehr Beachtung schenkend als ihrer Schwester muffelte diese nach dem Tadel leise in ihr Brötchen. „Mit einem Buch beworfen.“

„Was? Sprich lauter und nuschle nicht so! Ich verstehe dich nicht.“

Als hätte man den Lautstärkenregler auf ganz laut gestellt, schrie Christina über den Tisch: „Ich habe ihn mit einem Buch und ein paar anderen Dingen beworfen, okay? Was hätte ich denn sonst tun sollen? Ihn zum Kaffeetrinken einladen? Ich dachte, er wäre ein durchgeknallter Axtmörder.“

„Was?“ Riri lachte sich krumm auf ihrem Stuhl. „Der arme Kerl, der wusste gar nicht, wie ihm geschieht.“

Mittlerweile grinste Christina ebenfalls. „Na ja, er konnte schließlich nicht wissen, dass ich immer zu einem Ekel mutiere, wenn man mich weckt.“

„Haha, ja, das hat er gemerkt.“

„Allerdings. Aber er hat nicht lange gefackelt, sondern mich geschnappt und bis zum Krankenwagen geschleppt.“

Genüsslich aß Riri ihren Apfel zu Ende und amüsierte sich nebenbei: „Der Mann hat dir das Leben gerettet, Schwesterherz, und du hast ihn verprügelt.“

Plötzlich wurde Christina ernst und verstummte. Riri hatte es auf den Punkt gebracht. Der Mann hatte sein Leben aufs Spiel gesetzt, ob es nun sein Job war oder nicht. Jeder Feuerwehrmann war angehalten an seine eigene Sicherheit zu denken und sich nicht zu gefährden. Obwohl er sie hätte stehen lassen können, hatte er sich anders entschieden. Sie sollte sich bei ihm bedanken und entschuldigen, für ihren Angriff.

Vielleicht könnte sie gleich mit überprüfen, ob die Farbe seiner Augen wirklich so außergewöhnlich war? War der Rest von ihm ebenso beeindruckend?

***

 

„Hey, Garrett.“ 

Garrett stand vor seinem Spind, als ein Kollege zur Tür hereinschaute.

Der groß gewachsene Feuerwehrmann hatte Schichtbeginn und wollte sich gerade umziehen. In Jeans, aber ohne T-Shirt, stand er im Umkleideraum. „Ja, was ist?“

Der andere Mann grinste vielsagend. „Du hast Damenbesuch.“

Mark, der ebenfalls in der Umkleide war, lächelte voller Schadenfreude. „Alter, schon wieder Rettungs-Groupies?“

Woraufhin Garrett „Shit!“ zischte und die Tür seines Spindes mit Schwung zuschlug.

„Zieh dir lieber was über. Die Kleine hat schon von deinen gelbbraunen Augen geschwärmt. Sonst will sie noch eine Mund-zu-Mund-Beatmung, wenn sie dich halbnackt sieht. Ach, und sie hat auch noch gleich ihre Schwester mitgebracht“, sprach sein Kollege und verschwand wieder.

Das bescherte Garrett einen weiteren Lachanfall seines Freundes, was er mit mürrischem Gesicht über sich ergehen ließ. Als er die Umkleide verließ, rappelte sich Mark ebenfalls auf und folgte ihm schnell, denn diese Begegnung wollte er unter keinen Umständen verpassen.