7. Tür von Ewa A.'s Adventskalender

Hohoho und herzlich willkommen heute öffnet sich das 7. Türchen und bringt Euch den 4. von 12 Teilen einer romantischen Geschichte, die Ihr ebenso in "Schicksalsnetz - Ein romantischer Episodenroman" finden könnt. Sie ist dort eine von vier Liebesgeschichten, die eng miteinander verflochten sind. Doch jetzt wünsche ich Euch viel Spaß mit Christinas und Garretts Geschichte.

Christina seufzte und lehnte sich gegen die Wand. 

Um jetzt einen Rückzieher zu machen, war es zu spät. Was ihr heute Morgen noch als gute Idee erschienen war, fühlte sich nun nach einem absolut beknackt Einfall an. Sich nach dem Shoppen kurz bei dem Feuerwehrmann für seinen Einsatz zu bedanken, war objektiv betrachtet doch eine nette Geste. Oder? Aber  - warum kam sie sich wie ein Fisch im Nagelstudio vor? Es lag bestimmt an dem dämlichen Gegrinse der ganzen Männer, die hier um sie herumschlichen. 

Naja, es könnte allerdings auch die Aussicht darauf sein, dass diese Aktion zum peinlichsten Highlight des Tages werden würde, was ihr dieses ungute Gefühl in der Magengegend bescherte. Wer entschuldigt sich schon gerne dafür, dass er seinen Retter mit einem Buch beworfen und geschlagen hat? Auf gar keinen Fall würde sie dem Feuerwehrmann gestehen, dass sie ihn, im Halbschlaf wohlgemerkt, für einen durchgeknallten Axtmörder gehalten hatte. Was hätte sie denn auch sonst denken sollen, von einem Typen, der mitten in der Nacht, in einem Plastikanzug samt Axt im Anschlag, plötzlich vor ihrem Bett herumlungert? Hach, sie würde sich für ihr Benehmen entschuldigen, freundlich bedanken und fertig!

Übers Internet hatte sie die zuständige Feuerwache ihres Stadtviertel und deren Adresse ausgemacht. Nachdem sie sie nun auch vor Ort gefunden hatte, war sie mit ihrer Schwester gleich hineinmarschiert. Aber würde Riri sie nicht begleiten wie ein Schatten, hätte sie schon längst wieder die Beine in die Hand genommen und wäre auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Okay, trotzdem war sie nun hier. Und möglicherweise - nein, ganz sicher, lag es an ihrer Kleidung, welche den Feuerwehrmännern diesen seltsamen Ausdruck in die Visagen zauberte. Da Riris Kleiderschrank nur viel zu lange Hosen oder Röcke für sie ausgespien hatte, war ihr der schmalgeschnittene Jeansminirock, der dazwischen aufgetaucht war, wie ein Geschenk Gottes erschienen. Zu allem Übel besaß Riri kein einziges Paar flache Schuhe, sondern nur welche mit Absatz, dafür jedoch in allen Höhen, Farben und Formen. Aus diesem Arsenal hatte sie das niedrigste Paar in Schwarz gewählt und gehofft, mit ihnen den Einkaufsbummel ohne Blasen zu überstehen, was auch tatsächlich der Fall gewesen war.

Kein Mensch, der sie in dem engen Mini und diesen mörderischen Sandaletten sah, würde glauben, dass sie am liebsten in breiten Gesundheitstretern herumschlappte. Selbst das schmucklose T-Shirt konnte dem Riri-Aufreiß-Look, wie Christina ihn heimlich getauft hatte, nichts anhaben. Das war ganz und gar nicht sie, die ihr in Riris Schlafzimmerspiegel entgegengeblickt hatte.

Verstohlen betrachtete Christina ihre Schwester, die sich ihm Gegensatz zu ihr offenbar sehr wohl fühlte, in ihrer knallengen Jeans und den extrem High Heels. 

Riri tippte zwar konzentriert auf ihrem Handy herum, aber jedes Mal, wenn ein männliches Wesen an ihnen vorüberstolzierte, quittierte sie dessen Feixen mit einem auffordernden Strahlen, was bei Christina fast einen Würgreiz auslöste.

Die junge Krankenschwester hoffte, dass dieser Garrett bald angetrabt kam. Als sie die Wache betreten hatten, fanden sie einen Typ, der an einem Einsatzwagen herumgeschraubt hatte. Dem hatte sie gesagt, dass sie einen Feuerwehrmann mit außergewöhnlich hellbraunen Augen suche. Daraufhin hatte er sie eine Treppe hochgeschickt, wo sie im Flur einen weiteren Mann nach ihrem Retter fragen musste. Jener hatte ihr endlich den Namen seines gelbäugigen Kollegen genannt und versprochen, diesen zu ihr zu bringen, bevor er sich grienend davongetrollt hatte. Deswegen standen sie nun im Gang der Feuerwache und warteten auf besagten Garrett, der vermutlich ihr Retter war. Aber in ihrem ungewohnten Aufzug und neben Riri, kam Christina sich wie eine Bordsteinschwalbe auf Freiersuche vor.

Schließlich tauchte am Ende des langen Flures ein großer Kerl in Jeans und T-Shirt auf, der direkten Kurs auf sie nahm. Hinter ihm kam ein zweiter Mann daher, der eine ähnliche Statur hatte.

„Wow!“, wisperte Riri anerkennend, worauf Christina regelrecht fühlte, wie jede einzelne, wildgewordene Pore in ihrem Körper ein Eil-Telegramm an ihre Hirnanhangsdrüse sendete: Geiler Typ! - stopp - Haben will! – stopp - Am besten nackt! – stopp. STOP!

Mit einem ernsten Nicken kam der vordere Mann bei ihnen zum Stehen und begrüßte sie, während der zweite sich im Hintergrund hielt und dabei unablässig breit grinste. 

Christina musste sich erstmal räuspern, bevor sie zurückhaltend lächelte und ein „Hi“ zustande brachte.

Heilige Zahn-Fee! Das war ihr Feuerwehrmann, denn der Kerl hatte tatsächlich hellgoldene Iriden. Dunkle Wimpern, sanft gebogene Brauen und eine lange, schmale Nase bildeten mit diesen Augen eine spektakuläre Symbiose. Sein wundervolles, kleinwenig spitzes Männerkinn, war von dunklen Bartstoppeln übersät. Es wäre bestimmt aufregend, mit ihren Zähnen darüber zu schaben. Oh ja, das wäre es! Wer hätte denn bitte schön gedacht, dass unter dieser hässlichen Atemschutzmaske, solch ein schöner Mann stecken könnte? Wie Riri gemutmaßt hatte, war er wirklich so gut gebaut. Und sie Dödel hatte geglaubt, der Schutzanzug hätte ihn nur so breit aussehen lassen. Ob er einen Waschbrettbauch hatte, wie diese Unterhosenmodels in den Werbeprospekten? Sie hörte eindringlich die Blitzmeldung ihrer Synapsen: Will haben! Haben! Haben!

Der Blick des Feuerwehrmannes wurde immer fragender und Christina wurde sich bewusst, dass sie ihn sekundenlang nur schweigend angestarrt hatte.

Einen super ersten Eindruck, machte sie. Nee, eigentlich schon ihren zweiten, den sie hinterlassen und einmal mehr vermasselt hatte.

„Äh … Also, ich wollte mich bei Ihnen erstmal entschuldigen und dann bedanken.“

„Ach, ja, die Buch- und Kissenwerferin“, erwiderte Garrett überlaut und deutlich. Da er keine Gebärdensprache beherrschte, hoffte er, dass die Frau von seinen Lippen die Worte ablesen konnte. Er hatte sie sofort erkannt, denn dieses kleine Gesicht hätte er gar nicht vergessen können, selbst wenn er es gewollt hätte. Genau wie ihren weichen Körper, an den er sich sehr gut erinnern konnte und daran, wie er sich angefühlt hatte. Aber dass ausgerechnet sie zu den Frauen gehörte, die sich ihrem Retter an den Hals warfen, machte alles zunichte.  Rettungsgroupies nannten seine Kollegen hier auf der Wache. Beinahe nach jedem Einsatz tauchten welche von dieser Sorte auf. Die vom Schicksal gebeutelten Damen bildeten sich ein, in den Feuerwehrmann, der sie gerettet hatte, verliebt zu sein, was bald darauf unweigerlich erlosch. Manche seiner Kollegen nutzten diese Gelegenheit schamlos aus und hatten zahlreiche Affären. Zu Anfang hatte er gedacht, dass aus solch einer Affäre eine feste Beziehung werden könnte, aber schnell musste er lernen, dass dies nicht der Fall war. Diese Frauen verwechselten Dankbarkeit mit Verliebt-Sein. Weiß der Kuckuck, wie es dazu kam.

Ihm wäre es lieber gewesen, er hätte diese hübsche Frau später - irgendwann - noch einmal zufällig getroffen als auf diese Weise. Mit diesem verklärten Blick, dem sie ihm entgegenwarf, würde sich gewiss nichts zwischen ihnen anbahnen, was Bestand haben könnte. Verdammt, ihre schönen, apfelgrünen Augen sagten ihm, dass sie bereits auf Wolke sieben schwebte. 

Ihr Erscheinen auf der Wache und ihre Aufmachung waren doch eindeutige Zeichen, dass sie es darauf anlegte, ihn scharf zu machen, was ihr auch noch gelang, zur Hölle. Denn der kurze Rock saß wie aufgemalt, auf ihren anbetungswürdigen Kurven. Ihre Beine, die mit den hohen Sandaletten unglaublich heiß aussahen, trockneten ihm den Mund aus. Selbst das einfache Shirt spannte sich vielversprechend über ihren zwei herrlich runden Argumenten. Fuck! Sie sah gut aus - zu gut. Und trotzdem war sie ein Rettungsgroupie und somit ein No-Go.

„Ja, die Buch- Schrägstrich Kissenwerferin, besser bekannt unter dem Namen Christina.“ Sie streckte ihm ihre winzige Hand entgegen, die Garrett in seine nahm.