Wie kommt man darauf, eine Geschichte wie „Zeitenliebe - Nur zu zweit sind wir eins“ zu schreiben?

Gleich vorweg, wer den ersten Band der Zeitenliebe noch nicht gelesen hat, sollte nicht weiterlesen, denn unweigerlich werden hier jetzt Spoiler folgen.

 

 

Begonnen hat alles, wie sollte es anders sein, mit einer Filmszene. Ja, wie so oft bei mir, war es auch hier ein alter Film, der mich stark beeindruckt hat. Warum? Vielleicht, weil man als Kind noch leichter beeindruckt werden kann als Erwachsener. Hier war es der Monumentalfilm über Christenverfolgung namens „Das Gewand“ aus dem Jahre 1953, bis heute verfolgt mich die Szene, in der das Liebespaar (nennen wir es) „zufrieden“ in den Flammentod geht.  Ich fand diese Darstellung, sowohl zutiefst erschreckend als auch wunderschön. Bis heute ist sie mir im Kopf mit all den widerstreitenden Gefühlen.

Als ich dann nach vielen Jahren mehrere Zeitreiseromane verschlugen hatte und immer unglücklich mit dem Ende aus der jeweiligen Geschichte ging (weil der geliebte Held zum Schluss in der Gegenwart nie jener aus der Vergangenheit war), entschloss ich mich dazu, selbst einen Roman zu schreiben. Er sollte jedoch nicht so sein wie jene, die ich gelesen hatte. Es sollte nicht darum gehen, eine Gegenwart wiederherzustellen, die man zuvor durch eine Zeitreise verändert hatte. Auch sollte kein Ersatz für den Geliebten aus der Vergangenheit aus dem Ärmel geschüttelt werde.

Ich wollte eine Geschichte schreiben, in der eine moderne, selbstbewusste Frau im Mittelalter landet und sich mit ihrer Einstellung und Art in dem "frauenfeindlichen" Epoche zurecht finden muss. Der Partner am Ende sollte derselbe sein, in den sich die Heldin während der Handlung verliebt. Außerdem wollte ich die Szene eines Liebespaares schreiben, das gemeinsam und glücklich in den Feuertod geht. Ausgehend von diesen Bedingungen war klar, wo der Roman anfangen, was geschehen muss und wie er enden wird.  

Die Heldin musste gewieft, mutig und frech sein, um Dinge zu tun, aufgrund derer man sie der Hexerei bezichtigen würde, und sie müsste sie trotz besseren Wissens tun.

Und da ich schon oft danach gefragt worden bin: Ja, aus diesem Grund musste zum Beispiel auch Edmund sterben, damit Esther die Schuld für seinen Tod zugeschoben bekommt und ebenfalls damit sie unter allen Umständen Alexander retten will, um Nickolas vor einem weiteren Verlust zu bewahren. Die Missgeschicke und Vergehen sowie ihre Reihenfolge sind also mit Bedacht gewählt in Hinblick auf Logik und Spannungsbogen.

Die witzigen Szenen wie jene beim Abortgehen entwickelten sich dabei aus der Recherche über das Mittelalter. Aber auch die grausamen Passagen wie die Hexenprobe mit der manipulierbaren Nadel, die Befragung von Wotan und auch die schrecklichen Foltermethoden entstanden daraus.

Gerade bei diesen Nachforschungen fragte ich mich oft, ob ich mir das wirklich antun und die Gräuel der damaligen Zeit in Erfahrung bringen wollte. (An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es in Wirklichkeit noch viel schlimmer zuging als das, was ich mir jemals hätte ausdenken können.) Aber immer rang ich mich mit ängstlich klopfendem Herzen dazu durch - nur zum Wohle des Textes und seiner Glaubwürdigkeit.

In Wotans Rolle zu schlüpfen, um ihn auf dem Papier authentisch zum Leben zu erwecken, war ebenso eine ganz furchtbare Erfahrung. (Ich kam mir dabei vor wie ein Profiler und verstand danach, wie man Angst vor sich selbst bekommen kann.) Aber gerade diese Schrecken, die ich bei all dem empfand, halfen mir, die Worte zu finden, um die Qual und Pein der Figuren darzustellen und auszudrücken.

Auch für die Fortsetzung "Zwei Seelen in einem Herz" recherchierte ich viel und wie bei den meisten Autoren, die sich mit Tod und Gewalt auseinandersetzen müssen, liest sich der Verlauf meiner Googlesuche wie der eines Soziopathen. 00 Doch allen möglichen Gerüchten zum Trotz: Ich bin ich keiner, sondern nur eine bemühte Autorin mit Hang zu facettenreichen Geschichten. ^^